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    „Navy CIS“: Pauley Perrette berichtet von körperlichen Übergriffen am Set

    Angriffe, Bullying und Lügenkampagne als Hintergrund für Ausstieg?

    "Navy CIS": Pauley Perrette berichtet von körperlichen Übergriffen am Set – Angriffe, Bullying und Lügenkampagne als Hintergrund für Ausstieg? – Bild: CBS
    Pauley Perrette als Abby Sciuto in „Navy CIS“

    Kurz nach ihrem langfristig angekündigten Ausstieg bei „Navy CIS“ hatte Pauley Perrette auf ihrem Twitter-Account in einer reihe kryptischer Beiträge erschreckende Vorgänge am Set angedeutet. Demzufolge wurde sie von einer Person mehrfach körperlich angegriffen. Mehr noch, sie deutete an, dass es eine „einflussreiche Maschinerie“ gebe, die versuche, sie zum Schweigen zu bringen und falsche Geschichten über sie verbreite, die von der Regenbogenpresse aufgegriffen wurden – und nun ein falsches Bild von ihr verbreiten und ihre Glaubwürdigkeit untergraben. Wer der Täter ist, hat Perrette bisher nicht enthüllt.

    Die Tweet-Abfolge beginnt mit der Aussage, dass sie sich nicht auf die niederen Ebenen herablassen wolle und deswegen nie öffentlich „davon“ gesprochen habe, dass es aber diese Lügengeschichten über sie gebe.

    Der folgende Beitrag wird dann etwas konkreter: Perrette sagt, dass sie nie die Wahrheit erzählt habe – auch um ihre Kollegen am Set vor Einstellung der Serie und damit Jobverlust zu schützen. Sie spricht an, dass sie mit ihrem Schweigen vielleicht auch ein Teil des generellen Problems sei und sie versuche, „das Richtige zu tun“ – wobei sie sich unsicher darüber zeigt, ob ihr Schweigen „über ein Verbrechen“ wirklich das Richtige sei, auch wenn sie sich zum Schutz ihrer Kollegen dazu entschieden hatte. Perrette referenziert hier die #MeToo-Bewegung, in der zahlreiche Personen ihr Schweigen über sexuelle Übergriffe gebrochen haben, teils Jahrzehnte nach den Vorfällen. Häufig schwiegen sie aus Angst von negativen Auswirkungen auf Beschäftigungsmöglichkeiten, teils in Erwartung, dass ihnen niemand Glauben schenken würde, weil ihre Aussage gegen die ihres Peinigers stünde. Dieses systematische Schweigen hatte dann aber auch Anteil daran, dass gleichsam systematische Misogynie über Jahrzehnte andauern konnte und auch einzelne, besonders schlimme Täter wie Harvey Weinstein über Jahrzehnte weitermachen konnten.

    Im dritten Tweet ihrer ursprünglichen Enthüllung ging Perrette darauf ein, dass es eben diese organisierte, von „sehr machtvoller“ Seite kommenden Anstrengungen gebe, sie öffentlich in Misskredit zu bringen und dass diese Maschine keine moralischen Hemmungen habe, während sie auf ihre Kollegen Rücksicht nehmen wolle und müsse.

    Im vierten und letzten Tweet schließlich wird die Darstellerin konkret. Nachdem sie die negativen Folgen von Bullying anführt, spricht sie direkt an: „Es ist abscheulich. Ich bin gegangen. Mehrere körperliche Angriffe. Ich verstehe (die Folgen von Bullying) jetzt WIRKLICH. Sorgt für euch und eure Sicherheit. Nichts ist es wert, Kompromisse bei eurer Sicherheit einzugehen. Wendet euch an jemanden.“

    CBS hat auf Perrettes Aussagen mittlerweile mit einem Statement reagiert: „Pauley Perrette hat über lange Jahre bei NCIS großartige und erfolgreiche Arbeit geleistet. Vor etwas über einem Jahr kam Pauley mit einem ihren Arbeitsplatz betreffenden Problem zu uns. Wir haben ihr Anliegen ernst genommen und zusammen mit ihr daran gearbeitet, eine Lösung zu finden. Es ist ein wichtiges Ziel für CBS, bei all unseren Serienproduktionen eine sichere Arbeitsumgebung zu garantieren.“

    Perrette ihrerseits erhob keine Vorwürfe gegen CBS und twitterte: „Ich möchte (dem Produktionsstudio) und dem Sender CBS danken. Sie waren immer gut zu mir und haben mir den Rücken gestärkt.“

    Nach aktuellem Stand ist also weiter unbekannt, wen Perrette sowohl mehrfacher körperlicher Angriffe, Bullying und einer Verleumdungskampagne bezichtigt. Durch das Statement von CBS wird klar, dass die Vorgänge um die Zeit von Perette intern weitergetragen wurden, die zeitlich nahe vor Perrettes Abschiedsankündigung im vergangenen Oktober stehen.

    Perrette selbst ist bekannt für ihr soziales Engagement. Bereits zuvor hatte sie zur #MeToo-Bewegung Stellung bezogen und davon berichtet, als 15-Jährige auf der Highschool „von einem Mitglied des Football-Teams“ vergewaltigt worden zu sein. Sie selbst stellte das Erlebnis in Zusammenhang mit einer Reihe nachfolgender Beziehungen, in denen sie vom Partner missbraucht wurde, einem sehr geringem Selbstwertgefühl, unangebrachte Nachsichtigkeit in Situationen, in denen sie begrapscht wurde sowie „habe ich es mir viel zu lange erlaubt, Bullying von einem einflussreichen Mann zu ertragen“.

    Ziel der #MeToo-Bewegung ist es unter anderem, Opfern von sexuellen Übergriffen dadurch Mut zuzusprechen, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht alleine sind und diese auch nicht mit sich alleine herumtragen müssen. Daneben soll ein öffentliches Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass sexuell motivierte Angriffe deutlich häufiger sind, als so mancher glauben möchte. Dabei geht es auch darum, systematische Veränderungen für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz loszutreten und Serienstraftäter einer Strafverfolgung zuzuführen.

    16.05.2018, 11:05 Uhr – Bernd Krannich/sd605.com

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • Sentinel2003 (geb. 1967) am 17.08.2018 17:14

      Ich sehe nun garnicht mehr durch....ich dachte, es gehe ganz und allein nur darum, daß der Hund von Mark Harmon Sie mehrfach angeknurrt und auch gebissen hätte und Sie deshalb so frühzeitig, als gedacht, die Serie verlassen hätte!
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      • Phantomias am 17.05.2018 06:44

        Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster, und behaupte, dass auch nicht einer der hier schreibenden (mich eingeschlossen) auch nur ansatzweise beurteilen kann, wie es in einem Menschen der so etwas erlebt hat aussieht. Sich deshalb darüber ein Urteil zu bilden, warum Pauley Perrette und alle anderen Betroffenen jetzt so handeln, wie sie handeln steht keinem von uns zu. Sicherlich mag es Trittbrettfahre geben, die die Situation zu ihrem eigenen Vorteil nutzen und/oder Behauptungen aufstellen um sich ins Gespräch zu bringen. Aber das jetzt pauschal als Vorwurf anzubringen, nur weil jemand nur zögerlich berichtet, was ihr zugestossen ist, ist unter aller Sau!

        OT: @Redaktion: Was ist an dem in Deutschland gebräuchlichen Begriff "Mobbing" so verwerfliche, dass ihr statt dessen "bullying" schreibt?
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        • Sentinel2003 (geb. 1967) am 16.05.2018 13:37

          Jepp, bei den Serienjunkies gab es auch schon einige Diskussionen um diese Mee Too Bewegung und, mann kann es sich nicht vorstellen, wieviele User diese Diskusssionen tierisch "Haten", da Sie der Meinung sind, daß die Frauen selbst daran Schuld seien!! Unfassbar!!

          Und, wenn man sich auf die Seite der Frauen stellt, meisst bin ich es fast allein, werde ich gnadenlos "angemacht"!!

          Und, solche Ansichten von Männern noch immer in 2018!!
            hier antworten
          • Kasimir am 16.05.2018 12:17 via tvforen.de

            Wer in den USA in die Schlagzeilen kommen will, der braucht nur etwas von "sexuellen Übergriffen" zu berichten. Schon ist ihm alle Aufmerksamkeit sicher.
            • Otto Klein am 16.05.2018 12:36 via tvforen.de

              Kasimir schrieb: ------------------------------------------------------- > Wer in den USA in die Schlagzeilen kommen will, > der braucht nur etwas von "sexuellen Übergriffen" > zu berichten. Schon ist ihm alle Aufmerksamkeit > sicher. Und wegen solcher unfassbar dämlichen Kommentare trauen sich auch heute noch viele Menschne nicht, etwas gegen die ihnen angetane Gewalt zu tun. "Sie wollen ja nur Aufmerksamkeit"
            • Kate am 16.05.2018 14:03 via tvforen.de

              Kasimir schrieb: ------------------------------------------------------- > Wer in den USA in die Schlagzeilen kommen will, > der braucht nur etwas von "sexuellen Übergriffen" > zu berichten. Schon ist ihm alle Aufmerksamkeit > sicher. Deine Theorie hat nur einen Haken. Sie nennt keine Namen. Das würde ihr wesentlich größere Aufmerksamkeit bringen.
            • Puri am 16.05.2018 15:41 via tvforen.de

              Naja, solange sie keinen Namen nennt und konkrete beweisbare Handlungen ist es ja auch genau nur das. Aufmerksamkeit. Das an sich ist ja auch schonmal ganz gut, die Aufmerksamkeit auf etwas lenken hilft ja auch schon. Mehr würden aber konkrete Hinweise bringen. Warum twittert sie es denn und geht nicht einfach zur Polizei, offensichtlich scheinen ja schon Dritte involviert? "Zum Schutz der anderen Kollegen" ist da ja auch eher kontraproduktiv, das heisst dann wohl dass die Belästigungen entweder nicht so schlimm waren dass man darüber den Job aufgeben sollte, oder dass man den Ball flach halten wollte - aber ein uneindeutiges Twitter Posting sorgt natürlich eher für das Gegenteil.
            • Kasimir am 18.05.2018 14:13 via tvforen.de

              Kate schrieb: ------------------------------------------------------- > Deine Theorie hat nur einen Haken. Sie nennt keine > Namen. Das würde ihr wesentlich größere > Aufmerksamkeit bringen. Sie hat doch bereits genügend Aufmerksamkeit erlangt, ohne dass sie nur einen Namen genannt hat. Sogar im fernen Deutschland diskutiert man über die Amerikanerin.
            • yrkoon am 18.05.2018 14:46 via tvforen.de

              Weil man besser nicht per Kopfsprung in unbekannte Gewässer eintaucht? Wenn man mal unterstellt, dass an ihrer Sichtweise was Wahres dran ist, verhindert sie vermutlich so besser, dass ein von "interessierter Seite" bezahlter. einflußreicher Kolumnist sie von der ersten Minute an meinungsbildend als billige und willige Schlampe darstellen kann, die grade nur mal herumzicken will. Nicht jeder Vergewaltiger ist so blöd, sein Vergewaltigungsvideo ins Netz zu stellen, und selbst wenn, haben die betroffenen Mädels immer noch genug Probleme, zu beweisen, dass sie "deutlich genug" "Nein" gesagt haben. Darüberhinaus kann ein juristische Schuss wie z.B. eine Anzeige in USA m.E. wesentlich teure "nach hinten losgehen" - nur weil angeblich handfeste Beweise fehlen; die Gegenanzeige ist dagegen leicht(er) zu alimentieren. Nicht falsch verstehne, die Diskussion IST nicht unproblematisch; neulich sagt ein Journalist, den ich sonst Ernst nehme, mal eben "Ein zu langer Blick ist ja auch sexuelle Belästigung" Da bitte ich dann so langsam mal darum, dass SOWAS bitte mit klaren Zahlen gesetzlich geregelt wird, ... kann ja nicht schwer sein.
            • Dustin am 19.05.2018 16:26 via tvforen.de

              Kasimir schrieb: ------------------------------------------------------- > Kate schrieb: > -------------------------------------------------- > ----- > > Deine Theorie hat nur einen Haken. Sie nennt > keine > > Namen. Das würde ihr wesentlich größere > > Aufmerksamkeit bringen. > > Sie hat doch bereits genügend Aufmerksamkeit > erlangt, ohne dass sie nur einen Namen genannt > hat. Sogar im fernen Deutschland diskutiert man > über die Amerikanerin. Dabei geht es wohl kaum um Aufmerksamkeit, Opfer von Gewalt suchen seltenst Aufmerksamkeit, öffentlich als Opfer gesehen zu werden ist nicht erstrebenswert, vor allem weil klar ist das IMMER Leute wie du ankommen und die "Die will doch nur Aufmerksamkeit" Fahne schwenken. Aufmerksamkeit zu suchen hat sie auch gar nicht nötig, NCIS ist nach wie vor extrem erfolgreich und ihr Ausstieg aus der Serie seit Monaten Thema. Wenn sie mehr Aufmerksamkeit wollte könnte sie einfach aufhören die Haare schwarz zu färben und halb Twitter würde "OMG Abby ist blond!" schreien.

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